thikwarolli


 
HOMEPAGE DES THEATER THIKWA UND DER THEATER-WERKSTATT THIKWA
 
 
Koproduktion mit Theater zum westlichen Stadthirschen
Kafka am Sprachrand
Ein Drahtseilakt für 4 hoffnungsvoll überforderte Clowns
Ein Experiment im Sprachlabyrinth auf einer zunehmend von weißen Mäusen bevölkerten Bühne.

Vier ganz und gar unterschiedlich sprachfähige und sprechwillige Schauspieler (K., Franz, Felice und Max) konfrontieren sich mit bekannten und weniger bekannten Textminiaturen von Franz Kafka und reagieren darauf. Es entwickelt sich ein unberechenbares Spiel aus merkwürdigen Begegnungen an die Grenzen, wo aus Laut Klang, aus Klang Sprache, aus Sprache Sinn entsteht, und wieder zurück.
„Du musst nur die Laufrichtung ändern, sagte die Katze, und fraß sie. Ja gasam Gongrea hala pena adle Kahte pard Maus pa.“
Ein Drahtseilakt für vier hoffnungsvoll überforderte Clowns, die Kafka statt ins Herz auch schon mal in eine Plastiktüte schließen ...

Mit: Dominik Bender, Wolfgang Fliege, Karol Golebiowski und Corinna Heidepriem
Regie: Anke Mo Schäfer / Dominik Bender
Bühne / Kostüme: Isolde Wittke
Licht: Urs Hildbrand

theater zum westlichen Stadthirschen 

 

Kafka im Theater – Zwischenwelten und Klang-Körper

Das „Experiment im Sprachlabyrinth“ , in das der ebenso scharfsinnige wie empathiebegabte Regisseur und mitagierende Spiel(ver)führer Dominik Bender die Darsteller von Thikwa und die Zuschauenden verwickelt, darf als Leuchtfeuer im seit mehr als 100 Jahren brodelnden Meer der Kafkaexegese gefeiert werden. Denn dieser „Drahtseilakt für vier hoffnungsvoll (!) überforderte Schauspieler“ überschreitet auf vielfältige Weise Sprach- und Wahrnehmungsgrenzen, erschafft Zwischenwelten und –gestalten, die Kafkas oft groteske Prosaminiaturen kongenial und mit bizarrer Komik erhellen.

Diese Co-Produktion zwischen dem THEATER ZUM WESTLICHEN STADTHIRSCHEN und THIKWA ist eine Versuchsanordnung von Grenzgängern jenseits des Literarischen Quartetts und subventionierten Staatstheaters. Ideenreich von Anke Mo Schäfer und Dominik Bender choreographiert, ist sie in ihrer Untertreibung das Jemandwerden von Lauter Niemand: der „behinderten“ Akteure zu Laut- und Sinngebenden in all ihrer Widersprüchlichkeit - der verrätselten, (Tier-)Gestalten von Kafka zu nicht eben glücklichen Mitgeschöpfen. Dies alles als paradoxe, ja bitterböse Botschaften, jedoch in der Schwebe gehalten durch die Fülle nonverbaler Intermezzi und das dem epischen Theater verwandte dramaturgische Vorgehen: Wir erleben die anders begabten Schauspieler beim Probieren und in der Komik des Misslingens. Als Klang- und Resonanz-Körper, die den verstörenden Texten Gestalt und Ton verleihen.

Im Entrée, wenn die Vierergruppe ihr Selbstverständnis formuliert (eine verschworene Gemeinschaft, die einen Fünften nicht duldet) ist das Ausgeschlossensein, der vergebliche Kampf um Zugehörigkeit Thema. Die Akteure beziehen (ihre) Position hinter einer minimalistisch mit einer Stuhlreihe ausgestatteten Bühne. Dabei agieren neben Dominik Bender, dem Impuls- und Textgeber, Karol Golebiowski in seinem eigenen Esperanto, der Assoziationsakrobat Wolfgang Fliege und die energische
Corinna Heidepriem, die das Publikum mit dem Ausruf willkommen heißt „Die Tür ist zu!“.

Das so erzeugte Gefühl, in einer Falle zu sitzen, stimmt ein auf andere Empfindungen, die die mit subtiler innerer Logik von Anke Mo Schäfer versammelten Kafkatexte evozieren. Etwa, einem nie erfüllbaren Wunsch nachzujagen, als unkonformer Mensch zu scheitern, einer existentiellen Zurückweisung oder Bedrohung ausgesetzt oder in seiner (künstlerischen) Einzigartigkeit nicht anerkannt zu sein wie in Kleine Fabel, Vor dem Gesetz, Der Geier und Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse.

Tanz, Luftgitarrenspiel und Dumb Shows machen die Darsteller am „Sprachrand“ sicht- und hörbar und erhellen die Bot-schaften des Autors ebenso wie das fingierte Kafka-Symposium, bei dem Karol Golebiowski in eigenwilliger Lautierung den verschollenen Text „Der Hochsitz“ vorträgt. Die hier agierende Expertenrunde kann Kafkaexegeten wahrlich in Verlegenheit bringen.

Die Mäuse - bei Kafka neben der Dohle, die das tschechische Äquivalent seines Namens ist und manches mit dem hier heftig vorgetragenen Der Geier gemein hat - kommen als Manna vom Bühnenhimmel, werden verzehrt und so erledigt: Josefine, die als Sängerin und Diva letztlich scheitert, kann auch ihr mäusisches Fiepen nicht retten.

Tiere scheinen die besseren Menschen zu sein, wie im Bericht für eine Akademie und in Kreuzung, in dem Kafka eine von seinem Vater geerbte Kreatur, halb Lamm, halb Katze, vorstellt. Wenn sich die Akteure hechelnd, fauchend und fiepend an den vortragenden Bender und aneinander schmiegen, hat diese Kreatur zumindest im lebenden Bild einen Hort gefunden.

Ob allerdings das THEATER ZUM WESTLICHEN STADTHIRSCHEN ein Hort für unkonventionelle Theaterarbeit bleiben kann, ist ungewiss. Ihm wurden zum ersten Mal seit 27 Jahren keine Fördermittel mehr zuteil.

Christiane Frettlöh

Fotos © Martin Pfahler

 

 

Spielplan F40


F40 ist die gemeinsame Spielstätte von ENGLISH THEATRE BERLIN und THEATER THIKWA

Fidicinstrasse 40
10965 Berlin (Kreuzberg)

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Bus: M19 Mehringdamm
Bus: 104 Platz der Luftbrücke

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