HOMEPAGE DES THEATER THIKWA UND DER THEATER-WERKSTATT THIKWA
 
 

Christiane Frettlöh Januar 2008

Premierenkritik zu "Max und Moritz"

Jeder denkt, sie sind perdu, aber nein, noch leben sie: Zum 100. Todestag von Wilhelm Busch bringt das Theater Thikwa den schon damals als Attacke auf die Spießbürgermoral verschrieenen Comic-Bilderbogen auf die Bühne. Torsten Holzapfel und Peter Pankow entfalten den Klassiker verspielt und leichtfüßig, voller Slapsticks, Pantomimen und lebender Rätsel.

Ausflüge in andere Genres sind erlaubt: so zu Becketts "Warten auf Godot", in Comedy, Puppenspiel, Kinderlied und Stummfilm - und zu guter Letzt in die (hinterhältige) Einbeziehung des Publikums. Mehrere Fliegen also auf einen Streich! Und um Streiche als Hiebe gegen die herrschenden Verhältnisse, aber auch als lustvoll ausgeheckte und mit großer Spielfreude in Szene gesetzte Jungenphantasien, geht es hier.

Dass sich diese Collage nicht an die Chronologie hält, die Figuren als Spiel im Spiel sich selbst verdoppeln und die Akteure Witze erzählen, wundert mit diesem Ensemble aus professionellen und behinderten Schauspielern vertraute Zuschauer nicht. Peter Pankow (Max) skizziert den Ansatz von Thikwa ironisch: „Es soll lustig sein. Comedy ist Pflicht. Und als Max und Moritz wollen wir die ganze Welt weiter ärgern.“

Der Humor der Darsteller ist wie der des grimmigen Autors, der seine subversive Sympathie mit dem anarchischen Knabenduo nicht verleugnet, näher an der Katastrophe als der Idylle. Günther Grosser vom English Theatre hat diese Inszenierung den beiden Schauspielern, einem wahren dream team, auf den Leib geschrieben und punktet vor allem mit Regieeinfällen jenseits der üblichen Versionen.

Immer wieder werden die Zuschauer auf Nebengleise der Erheiterung gelockt. Bevor etwa die Akteure einander in der Lämpel-Episode ein Slapstick-Gefecht liefern, das in der bekannten vernichtenden Explosion mündet, belustigen sie sich durch das Erzählen schräger Witze. Von den „Bösewichtern“ selbst wird erläutert, warum die Darstellung des Hühnersterbens ursprünglich ausgespart werden sollte. Und zur Ablenkung vom Fiasko der Witwe Bolte erklingt das Kinderlied „Auf der Mauer, auf der Lauer“. So ist – schwuppdiwupp – der Sprung von den Wanzen zu den in Onkel Fritzens Bett ausgesetzten Käfern getan.

Wenn die Figuren einander im Warten und Verlassenwerden überbieten, entpuppen sie sich nicht zufällig als Vorfahren von Wladimir und Estragon und ihr schon bei Busch angelegtes Verlorensein in der Welt wird sinnfällig.

Das alles auf einer mit sparsamen Mitteln eingerichteten Guckkastenbühne, von deren Himmel die Opfer der Streiche ebenso wie Max und Moritz als Spielpuppen herunterhängen. Dem "bösen Ende" verweigern die Knaben sich, denn sie wollen die Welt weiter ärgern. Am Schluss verneigen sie sich, von immer neuen Vorhängen höchst angetan, recht artig.

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Spielplan F40


F40 ist die gemeinsame Spielstätte von ENGLISH THEATRE BERLIN und THEATER THIKWA

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