
In der Welt der erlebten Gefühle und Sehnsüchte gibt es keine Behinderung, vielmehr sind es stets Menschen, die bewusst und mit allen Sinnen leben und lieben.
Die barocke Musik Giovanni Battista Pergolesis - es ist sein 300. Geburtsjahr - mit ihrer Spannung zwischen Lebensfreude, Lust und Askese, Schmerz, Leid, Trauer evoziert die imaginären Wünsche zu Mutter- oder Vaterschaft. Eine lebendige Ikonographie bebildert in Tanz-Szenen die Phantasien, das Unsichtbare, die nicht wahrgenommene Realität gegenüber dem Sichtbaren, Alltäglich-Banalen, dem Vorurteil über Behinderung und Mutterschaft.
Der Regisseur und Choreograph Alessio Trevisani arbeitet insbesondere mit der Methode des Body-Mind Centering, die in Bewegung und Geist vernachlässigte „Schattensysteme“ aktiviert.
STABAT MATER thematisiert eine Entdeckungsreise zur Natur des Menschen und ist ein Tanz über Geburt, Existenz, Nähe und Identität.
Mit Sabrina Braemer, Heidi Bruck, Vincent Martinez, Till Mittasch, André Nittel, Tim Petersen, Isabel Raabe, Patricia Schulz, Alessio Trevisani und Linda Weissig
Idee + Choreographie: Alessio Trevisani
Musik: Giovanni Battista Pergolesi, Vincent Martinez
Mentorin: Bente Schmidt
Bühnenbild: Jürgen Kirner
Kostüme: Mehrbood Mokarram, giulianoFujiwara Collection Milano-Tokyo
Licht: Jesse Cogdell
Medienpartner: www.kulturradio.de
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Pressestimmen:
Ganz bedenkenlos haben sich Trevisani mit seinen Darstellern in die Sakralität und die Schönheit der Musik gestürzt. Nichts wird hier gebrochen, unterlaufen oder ironisiert. Aber gerade mit dieser Schlichtheit und dem Mut zu absoluter Naivität erobern sich Trevisani und seine Akteure das "Stabat Mater" so eindringlich.
- Berliner Zeitung, Michaela SchlagenwerthViel Liebe drückt sich in Berührungen aus, engen Gliederungen, schmiegenden Formen zu Paaren, auf dem Boden oder im Raum. Als Kette gefasst, trotzen die Menschen den Stürmen des Lebens ...
- Neues Deutschland, Volkmar DraegerDas ist wunderschön, ebenso wie das bewegte Schlussbild ...
- taz, Katharina Granzin
Alessio Trevisani zur Entstehung seines Stückes
Diese Arbeit entsteht aus einer tiefen Liebe aus meiner Jugendzeit für die Musik Pergolesis zu Stabat mater, eine Art Zugehörigkeit und Faszination. Die Idee der Zusammengehörigkeit und gegenseitigen Anziehung von Pergolesi und Theater Thikwa entstand aus meiner plötzlichen Vision und aus meiner Behauptung: Keiner hätte besser die Vielfalt, den Schmerz und die Freude dieser Komposition besser tragen können, besser interpretieren können als das Thikwa-Ensemble. Heute, wenige Tage vor der Premiere weiß ich viel mehr: Nur wer täglich mit Schmerz und Freude so verbrüdert ist, konnte mich begleiten um aus dieser Musik ein Tanztheater zu realisieren.
Da, wo jeder andere Akteur sich womöglich pathetisch, lächerlich oder grotesk in dieser Musik bewegt hätte, agiert das Thikwa-Ensemble stark und souverän.
Dass in der Choreografie auch zusätzliche Tänzerinnen - und darunter ich - mit tanzen, geht einher mit meiner Absicht, die Grenzen zwischen normal/anormal funktionsfähigen Körpern zu sprengen.
Bewegung ist Wahrnehmung, auch in der Stille ist es möglich, die Wahrnehmung der atmenden, also sich bewegenden Organe zu spüren, und, wenn gewollt, zum Ausdruck zu bringen - in Stabat Mater geht es um fragile Körper und starken Willen.
Stabat Mater ist eine der Marienklagen, die zu allen Passionsdarstellungen des Mittelalters gehörten. Das Gedicht wird dem 1306 verstorbenen Franziskanermönch Jacopo aus Todi/Italien zugeschrieben. Ideengeber ist das Johannes-Evangelium (Joh. 19,25ff.), die berühmteste Nachdichtung ist vermutlich das Gebet des schwangeren Gretchens "Ach neige, Du Schmerzensreiche" in Goethes Faust. Vertont wurde es über 40 mal, angefangen bei Desprez (1480) über Palestrina (um 1590), Vivaldi (1727), Schubert (1815), Liszt (1866), Dvořák (1877), Penderecki (1962), Pärt (1985) bis zum Mike Oldfield Kollegen Jenkins (2008). Von Anfang an sollte das Gedicht zur Andacht über Leben und Vergänglichkeit anregen.
Stabat Mater - Interlinearübersetzung
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ernst Kausen, Universität Gießen.
| I | Stabat Mater dolorosa iuxta crucem lacrimosa dum pendebat Filius. Cuius animam gementem, contristatam et dolentem, pertransivit gladius. O quam tristis et afflicta fuit illa benedicta Mater Unigeniti. Quae maerebat et dolebat pia Mater, dum videbat nati poenas incliti. | Es stand die Mutter schmerzerfüllt bei dem Kreuze, tränenreich, als (dort) hing (ihr) Sohn.
Wer müsste nicht traurig werden (und) Christi Mutter (still) betrachten, die (dort) leidet mit dem Sohn? |
| II | Quis est homo, qui non fleret, Matrem Christi si videret in tanto supplicio? Vidit suum dulcem natum moriendo desolatum, dum emisit spiritum. | Was trauerte und schmerzte es die fromme Mutter, als sie sah des geborenen (Sohnes) Leiden, des berühmten. |
| III | Eia Mater, fons amoris, | O Mutter, Quell der Liebe, |
| IV | Fac, ut ardeat cor meum | Mach, dass brenne mein Herz |
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| Sancta Mater, istud agas, | Heilige Mutter, das bewirke, |
| V | Tui nati vulnerati | Deines Sohnes -der verwundet, |
| VI | Fac me vere tecum flere, crucifixo condolere, donec ego vixero. | Lass mich wahrlich mit dir weinen, |
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| Iuxta crucem tecum stare, te libenter sociare in planctu desidero. | Bei dem Kreuz mit dir zu stehen, mit dir gerne mich zu vereinen in der Klage - (das) wünsche ich. |
| VII | Virgo virginum praeclara | Jungfrau der Jungfrauen, hochberühmte, |
| VIII | Fac, ut portem Christi mortem, | Mach, dass ich trage Christi Tod, |
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| Fac me plagis vulnerari, | Lass mich durch Schläge verwundet (und) |
| IX | Inflammatus et accensus | Entflammt und entzündet |
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| Fac me cruce custodiri, | Lass mich durch das Kreuz behütet werden, |
| X | Quando corpus morietur, | Wenn der Leib (einst) sterben wird, |
Fotos © Peter Ehrentraut






F40 ist die gemeinsame Spielstätte von ENGLISH THEATRE BERLIN und THEATER THIKWA