DEEN

Maison de Santé
Einladung zur feinen Gesellschaft

Szenenfoto aus einer Auffuehrung: Eine Tischgesellschaft in historischen Kostuemen
Foto: David Baltzer
Szenenfoto aus einer Auffuehrung: Drei Maenner in historischen Kostuemen hinter einem Mikrofon. Einer traegt ein Waldhorn
Foto: David Baltzer
Szenenfoto aus einer Auffuehrung: 2 Maenner in historischen Kostuemen. Einer haelt dem anderen die Hand vor das Gesicht.
Foto: David Baltzer
Szenenfoto aus einer Auffuehrung: Ein sitzender Mann mit Sonnenbrille mit einem Waldhorn auf dem Schoß.
Foto: David Baltzer

Was ... passiert, ist die totale Kunst. ... Verwoben mit Texten und Liedern der Spieler, gerät Poes Erzählung in feinere Schwingungen, als soziale Nachdenklichkeit es fassen würde. ... Dies ist nicht erstaunlich, sondern zutiefst schön: Nicht nur zur Einsicht, dass die Grenzen zwischen "Wahn" und "Sinn" willkürlich sind, nein: zum Genießen will der Direktor seinen Gast bewegen. ... der gestärkte Zuschauer aber, der sich dem Genuss dieser genialen Arbeit anvertraut, erlebt einen Theaterabend vollkommenen Glücks.

Eine merkwürdige Prinzessin, seltsame Bedienstete, ein neurotischer Arzt und viele andere irritierende Gäste bringen das Bild von krank und gesund ins Wanken. Im Theater wird das zu einem unvergesslich anarchischen Erlebnis voller Spielfreude, Raffinement und schneidender Ironie.

Rheinischer Merkur

Und der integrierte Zuschauer rätselt, welche Rolle er selbst innehat und ob er nicht auch ein Verrückter ist, der einen Normalen spielt.

Allgemeine Zeitung, Mainz

Ob du als Genie, Heiliger oder als Wahnsinniger giltst, das entscheidet die Wertegesellschaft. Ob jemand zu den Patienten oder zum Personal in der Psychiatrie gehört, kann ein Zufall seiner Lebensgeschichte sein. Was passiert, wenn die Patienten dem Zufall ein bißchen nachhelfen?

Szenenfoto aus einer Auffuehrung: Eine Tischgesellschaft in historischen Kostuemen
Foto: David Baltzer
Szenenfoto aus einer Auffuehrung: Drei Maenner in historischen Kostuemen hinter einem Mikrofon. Einer traegt ein Waldhorn
Foto: David Baltzer
Szenenfoto aus einer Auffuehrung: 2 Maenner in historischen Kostuemen. Einer haelt dem anderen die Hand vor das Gesicht.
Foto: David Baltzer
Szenenfoto aus einer Auffuehrung: Ein sitzender Mann mit Sonnenbrille mit einem Waldhorn auf dem Schoß.
Foto: David Baltzer

Angeregt wurde diese Inszenierung durch eine Erzählung von Poe: Ein Berliner Medizinstudent reist 1830 nach Südfrankreich. Dort besucht er eine Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen, die angeblich eine humane Methode aus England anwendet: "Die Methode Dr. Thaer & Prof. Fedders". Der leitende Arzt verspricht für den nächsten Tag eine Führung durch die Einrichtung und lädt den Studenten erst mal zum Dinner. Noble Herrschaften erzählen sich bei feinen Speisen, Musik und Tanz ungewöhnliche Lebenserfahrungen und Ideen. Ahnt der Reisende, wen er vor sich hat? Droht der Abend zu kippen, und wenn ja, wohin?
Mit Werner Gerbers Inszenierung in den gesamten Raum hinein und dank Isolde Wittkes Raumgestaltung weg von der Guckkasten-Bühne werden die Zuschauer fast zu Teilnehmern einer feinen Abend-Gesellschaft. Das Konzept und viele Textpassagen wurden gemeinsam mit den Darstellern entwickelt und verfasst. Viele brachten dabei eigene Erfahrungen in Behinderten-Einrichtungen und in der Psychiatrie mit ein.

Eine Ko-Produktion zwischen dem Theater zum westlichen Stadthirschen und Theater Thikwa.

DAS THEATER ZUM WESTLICHEN STADTHIRSCHEN wurde 1982 von Absolventen des Studiengangs Schauspiel der Hochschule der Künste Berlin gegründet und hat in Berlin und auf Gastspielreisen bislang über 60 Produktionen gezeigt.
Es wird seit 1984 kontinuierlich von der Berliner Senatskulturverwaltung subventioniert. Neben der entwicklung von Eigenproduktionen zu frei gewählten Themenkomplexen (Kindheit, Reisen, Tod, Jazz, Zeit) galt und gilt die Aufmerksamkeit der Präsentation von selten gespielten, neu zu entdeckenden, oder zu Unrecht vergessenen Theater-Autoren (Achternbusch, Stein, Handke, Zschokke, Jelinek, Carrington, Fels, Durringer, Crimp, Lagarce u.a.).
Parallel dazu gibt es immer wieder den Zugriff auf Stoffe und Stücke der klassischen Moderne (Artus-Sage, Shakespeare, Gombrowicz, Pirandello, Horvath). Im Laufe der 90er Jahre realisierte das Theater vermehrt Dramatisierungen von Prosatexten (Bradbury, Bobrowski, Kristof, Bober, Bove, Josipovici, Wittkop) und verfolgte daneben zunehmend unterschiedliche Ansätze dokumentarischen Theaters ("Jonteff", "sexualité...", "Großstadt-Notizen", "Speeches", "Gespräche mit Schizophrenen", "Das Zarte wird ja immer überdroht").
Schauspielerische Erfindungslust, szenische Reduktion und bildnerische Abstraktion kennzeichnen die für den STADTHIRSCHEN charakteristischen Inszenierungen, bei deren Erarbeitung auf größtmögliche Transparenz zwischen allen am Entstehungsprozess Beteiligten nach wie vor großer Wert gelegt wird. Über die Jahre waren die künstlerisch Verantwortlichen dabei immer bestrebt, sich inhaltlich nicht in eine bestimmte Richtung zu spezialisieren, sondern sich eine im besten Sinne produktive Unberechenbarkeit zu bewahren.

Premiere: 22. Januar 2005
Gastspiele: Festival Grenzenlos Kultur, Mainz; Community Arts, Bern; Madness 2006, Münster; Festival Okkupation!, Zürich; Wildwuchs-Festival, Basel;

Mitwirkende

mit :
Anna-Katharina Andrees, Dominik Bender, Heidi Bruck, Jonny Chambilla, Ronny Dollase, Wolfgang Fliege, Torsten Holzapfel, Almut Lücke-Mündörfer, Vincent Martinez, Tim Petersen, Peter Pankow, Patrizia Schulz, Roland Stehlke, Jan Uplegger
Regie:
Werner Gerber
Dramaturgie:
Anke Mo Schäfer
Raum:
Ilsode Wittke
Kostüm:
Liv Jakobsen
Licht:
Urs Hildbrand