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Schillers Schreibtisch
eine Heimatvergewisserung

Thikwa nähert sich mit einer Collage aus Originalzitaten, Ton-Dokumenten und Selbstbefragungen den sich vielfältig auffächernden Themen und schaut in den Abgrund, der sich zwischen dem schönen Geist der Weimarer Klassik und dem grausamen Gedankenapparat der Nazis auftut. Damals hätte der Rassenwahn für die behinderten Schauspieler eine Bedrohung dargestellt. Aber die Produktion schafft es, ein fragiles Gleichgewicht zwischen Betroffenheit und Komik zu halten und selbst bei dem Thema Euthanasie eine fragende Neugier in den Vordergrund zu stellen, die sich aus der Distanz des Heutigen speist. Ein unruhig machender Abend. Gut so.

rbb Kulturradio

Im Jahr 1943 wurden einige Insassen des Lagers Buchenwald damit beauftragt, eine exakte Kopie des Schreibtisches von Friedrich Schiller anzufertigen. Angesichts zunehmender Bombardierungen sollte das Original aus dem Schiller-Haus in Weimar an einen sicheren Ort verbracht werden.Ausgehend von dieser ebenso perfiden wie wahren Geschichte begibt sich ein 7köpfiges Thikwa-Ensemble auf eine Zeitreise.

Auf der Grundlage literarischer und dokumentarischer Textquellen, Selbstbefragungen sowie bekannter und weniger bekannter Musikstücke entstehen skurrile Bilder und szenische Miniaturen zum Thema Heimat. Im Spannungsfeld zwischen Pflege und Missbrauch geistigen Erbes geht es u.a. um folgende Fragen: Wo ist Schillers Schädel? Was ist ein Tonnenadler? Wer bekommt eine Schlafspritze? Welche Zweitbedeutungen haben die Worte Triller und Zaunkönig? Was bedeutet mir ganz persönlich deutsche bzw. nationale Identität heute? Außerdem lässt das Thikwa-Ensemble einen realen „Betriebsausflug” nach Weimar/Buchenwald Revue passieren.

Dabei spielt der Geruch faulender Äpfel eine ebenso wichtige Rolle wie die Tatsache, dass einige der Zeitreisenden als damals sogenannte „Ballastexistenzen” durchaus zur Herstellung der Tisch-Kopie hätten verpflichtet werden können ...

Premiere: 2. Mai 2013

Mitwirkende

Mit:
Addas Ahmad, Nico Altmann, Dominik Bender, Heidi Bruck, Torsten Holzapfel, Peter Pankow, Sandra Scherer
Regie:
Antje Siebers, Dominik Bender
Bühne:
Isolde Wittke
Kostüm:
Heike Braitmayer
Licht:
Christian Maith
Szenenfoto: Sieben Personen mit Masken auf den Gesichtern sitzen an mehreren Tischen
Foto: Petra Seiderer